Page number 1
Themen zur Tierernährung Fachtagung 2015/2016 Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes regionaler Eiweißfuttermittel als Ersatz für importiertes Sojaextraktionsschrot Prof. Dr. Gerhard Bellof und Dipl. Ing. (FH) Peter Weindl, Fachgebiet Tierernährung, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, 85354 Freising 1 Einleitung und Problemstellung Die Produktionsbedingungen in der deutschen Landwirtschaft rücken immer mehr ins Interesse der beteiligten Stakeholder, insbesondere des Lebensmitteleinzelhandels (LEH), der Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO´s) und der Konsumenten. In Bezug auf die tierische Produktion liegt das Augenmerk aktuell auf den Bereichen Tierschutz/Tierwohl, Rückverfolgbarkeit sowie der Herkunft und Sicherheit der eingesetzten Futtermittel. Während in der Vergangenheit überwiegend der Anbau gentechnisch veränderter Kulturpflanzen und die Rodung ökologisch wertvoller Ökosysteme die Hauptkritikpunkte darstellten, wird die Diskussion inzwischen deutlich breiter geführt. Soziale Aspekte, wie die Verdrängung kleinbäuerlicher Strukturen, eine hohe Marktkonzentration im vor- und nachgelagerten Bereich durch internationale Unternehmen mit hohen Marktanteilen, der einseitige und/oder übermäßige Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel, die räumliche Trennung von Futtermittelproduktion und tierischer Erzeugung sowie die dadurch entstehenden Ungleichgewichten in den Nährstoffkreisläufen werden immer häufiger in die Diskussion miteinbezogen. Weltweit agierende Umweltverbände wie Greenpeace (2005) oder der WWF (2014) kommen dabei zu dem Schluss, dass vor allem die Produktion in den Ländern Südamerikas und hier besonders in Bezug auf den Sojaanbau, oftmals als nicht nachhaltig einzustufen wäre. Da für die Konsumenten der Begriff der Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnt, reagiert der LEH zunehmend sensibel auf dieses Thema und versucht verstärkt Druck auf die Agrarwirtschaft auszuüben, die ihrerseits wiederum an die Produzenten Anforderungen stellt, um diesen Wünschen nachzukommen; etwa durch einen Verzicht auf den Einsatz gentechnisch veränderter Sojaextraktionsschrote (SES, z.B. in der Geflügelwirtschaft) oder den alleinigen Einsatz heimischer Futtermittel (Tendenzen hierfür gibt es in der süddeutschen Molkereiwirtschaft). Der Schweinesektor ist derzeit noch weniger stark von dieser Problematik betroffen, aber auch hier kann davon ausgegangen werden, dass diese Anforderungen in den nächsten Jahren zunehmend auch an die Schweinehalter herangetragen werden. Der Bedarf an proteinreichen (Ergänzungs-)Futtermitteln ist sowohl in Deutschland wie auch in der gesamten EU hoch. Dies ist mit der in vielen Regionen intensiv betriebenen Viehhaltung zu begründen. Der Proteinbedarf übersteigt dabei die Eigenerzeugung deutlich, wodurch sich ein negativer Saldo errechnet, der durch Importe ausgeglichen werden muss. Nach Berechnungen des europäischen Dachverbands der Mischfutterproduzenten FEFAC (2014) beträgt der Importanteil an Eiweißfuttermitteln derzeit annähernd 70 %, wobei der Großteil auf die Einfuhr von Sojaextraktionsschroten bzw. Sojabohnen zur Verarbeitung innerhalb der EU entfällt. © COPYRIGHT DEUTSCHE VILOMIX TIERERNÄHRUNG GMBH www.vilomix.de Telefon: 0 54 93 / 98 7 00 Telefax: 0 54 93 / 98 7 90 SEITE 1 VON 21 E-Mail: info@vilomix.de